Le Fly
Sankt Pauli: Das Pflaster für alle Freunde schrillen Lebens. Dort, wo sich Hamburgs Glamour und
Schmutz so selbstverständlich mischen wie die Körpersäfte der Herbertstraßen-Freier mit denen ihrer
auserwählten Kurzbegleiterinnen. Wo die Kunst des Lebens jenseits der Konvention zu einer Religion
wird, die nur ein Gebot kennt: Leb’ wie Du willst. Mach deinen Kram. Wir mögen dich trotzdem.
Wie also muss eine Band klingen, die von sich selber sagt, „St. Pauli Tanzmusik“ zu machen? LeFly
haben das Rezept gefunden: „Das ist eine Mischung aus Schnaps, Qualm und Konfetti. Klingt
unseriös, ist aber so.“ LeFly: Das sind sechs aufrechte St. Paulianer, „offen und kollektiv glücklich“,
wie sie selber sagen. Sechs Mucker- und Schlucker-erfahrene Schnacker mit dem süffisant
norddeutschen Schalk im Augenwinkel, die das Gebot der Kiez-Religion verstanden haben. Die den
Melting Pot St. Pauli mit jeder Facette leben. Und die deshalb Musik machen, als ob so ziemlich alle
Genres moderner Popkultur nur dem einen Zweck folgen: auf möglichst natürliche Weise miteinander
vermischt zu werden.
„Der Menschenclash auf St. Pauli ist einmalig“, sagt Band-Rapper Schmiddlfinga. „Immer Tausende
verschiedene Leute unterwegs. Daraus resultiert eine Offenheit, die wir auch für unsere Musik suchen.
Und dass alles so’n büschen dreckig ist.“ So trifft sich bei ihnen Rock und Reggae. Ulk und Unruhe.
Funk und Punk. Raps und Refrainchöre des Wahnsinns. Leidenschaft und Liebesbezeugnisse an den
Irrsinn. Flitzeflinkes Turntablizm und Gaspedale im Grenzbereich. Ein Blick auf leFly genügt, um zu
wissen: Die Jungs haben Style – auch wenn keiner weiß, wie man den wohl nennen könnte. Aber
damit verhält er sich nur analog zur Musik, die ja auch so klingt, als hätte der Gott der Pop-
Schubladen neue Einbauschränke bestellt.
Nun bleibt nur eine Empfehlung auszusprechen: Bitte „St. Pauli Tanzmusik“ auflegen und loslassen –
egal was, egal wo. Denn das Loslassen haben leFly perfektioniert. Beweis dafür findet sich in jedem
einzelnen ihrer Konzerte – ach was: Live-Konvulsionen. Auch hier kann alles passieren, niemand ist
sicher und nichts unmöglich. Sah man erst kürzlich wieder, als sie im Mai 2010 den Hafengeburtstag und
das Surf Festival Pelzerhaken rockten, im Juni vor 80.000 Zuschauern auf dem Heiligengeistfeld beim
Public Viewing von „Schland gegen die Aussies“ aufspielten oder Mitte Juli das DEICHBRAND Festival in Cuxhaven verzauberten.





